Wer eine Treppe plant oder ein Haus besichtigt, stellt die Frage oft ganz praktisch: Wie viele Stufen muss ich bis ins nächste Stockwerk steigen? Eine feste Zahl gibt es nicht. In einem typischen Einfamilienhaus sind es häufig ungefähr 15 bis 18 Steigungen. Das ist ein brauchbarer Richtwert, aber noch keine Planung. Denn gezählt wird nicht einfach die Zimmerhöhe, sondern der Höhenunterschied zwischen zwei fertigen Fußbodenoberflächen. Dazu kommen die gewählte Stufenhöhe, die Treppenform und die Frage, was jemand überhaupt als „Stufe“ mitzählt.
Der Unterschied fällt im Alltag schnell auf: Zwei Häuser können gleich viele Geschosse haben und trotzdem ganz unterschiedliche Treppen. In einem älteren Gebäude mit hohen Räumen ist die Treppe oft steiler und hat weniger, höhere Stufen. Ein neueres Haus kann bei derselben Geschosshöhe eine flachere Treppe mit mehr Steigungen haben. Wer eine Zahl sucht, sollte deshalb zuerst die Geschosshöhe ermitteln – erst danach lässt sich sinnvoll rechnen.
Der entscheidende Wert ist die Geschosshöhe
Mit der Geschosshöhe ist der Abstand von einem fertigen Fußboden zum nächsten gemeint. Sie ist nicht dasselbe wie die lichte Raumhöhe. Hat ein Raum beispielsweise eine Höhe von 2,50 Metern, kommt noch der Aufbau der Decke und des Fußbodens darüber hinzu. Für die Treppe kann der tatsächliche Höhenunterschied daher deutlich größer sein, etwa 2,75 oder 2,85 Meter. Bei einer Bestandsimmobilie lässt sich das am besten messen, wenn beide Fußbodenhöhen bekannt sind. Im Rohbau muss man zusätzlich berücksichtigen, dass Estrich und Belag noch fehlen.
Für viele Wohnhäuser liegt der Abstand zwischen den Geschossen ungefähr zwischen 2,60 und 3,00 Metern. Das ist ein typischer Bereich, keine bauliche Vorgabe. Bei Altbauten, ausgebauten Dachgeschossen oder Häusern mit besonders hohen Räumen können die Werte davon abweichen. Schon 15 Zentimeter mehr oder weniger machen bei der Stufenzahl einen Unterschied, weil die Treppe den gesamten Höhenunterschied in einzelne, möglichst gleichmäßige Steigungen aufteilt.
So ergibt sich die Anzahl der Steigungen
Die Grundrechnung ist einfach: Geschosshöhe durch gewünschte Steigungshöhe teilen. Bei 2,80 Metern Geschosshöhe und einer Steigung von 17,5 Zentimetern ergibt sich 280 geteilt durch 17,5, also 16 Steigungen. Die Treppe überwindet damit die Höhe in 16 gleichmäßigen Abschnitten. In der Ausführung wird die Rechnung so angepasst, dass keine unpraktischen Restmaße entstehen und alle Steigungen tatsächlich gleich hoch sind.
Bei 2,70 Metern und 18 Zentimetern wären es rechnerisch 15 Steigungen. Bei 2,90 Metern und derselben Steigung kommt man auf gut 16. Die Zahl wird nicht beliebig gerundet: Wenn die Höhe nicht genau aufgeht, muss die Steigung neu berechnet werden. Sonst entsteht am Ende eine einzelne Stufe, die höher oder niedriger als die übrigen ist. Gerade diese eine Abweichung wird beim Gehen leicht übersehen und kann zur Stolperfalle werden.
Für eine erste Orientierung ergeben sich bei üblichen Wohnhausmaßen ungefähr folgende Größenordnungen:
- Bei rund 2,60 Metern Geschosshöhe sind es meist etwa 15 Steigungen.
- Bei rund 2,80 Metern liegen viele Treppen bei 16 Steigungen.
- Bei rund 3,00 Metern sind häufig 17 oder 18 Steigungen nötig.
Das sind Planungsbeispiele, keine universellen Sollzahlen. Eine Treppe mit 16 Steigungen kann in einem Haus angenehm sein und in einem anderen zu steil wirken, wenn die Auftrittsfläche knapp bemessen ist. Außerdem ändern Podeste und Richtungswechsel den Grundriss, nicht aber die zu überwindende Geschosshöhe.
Steigung, Auftritt und das Missverständnis beim Zählen
Im Gespräch werden „Stufen“ und „Steigungen“ meist gleichgesetzt. Fachlich hilft es, sie auseinanderzuhalten. Die Steigung ist der senkrechte Höhenunterschied von einer Trittfläche zur nächsten. Der Auftritt ist die waagerechte Tiefe, auf der der Fuß steht. Eine Treppe mit 16 Steigungen hat nicht zwingend 16 einzelne Trittflächen aus Holz oder Stein: Oben bildet häufig der Fußboden des nächsten Geschosses den letzten Auftritt. Deshalb kann die sichtbare Zahl der Treppenstufen um eins niedriger sein als die Zahl der Steigungen.
Das erklärt einen Teil der widersprüchlichen Angaben, die man beim Nachzählen findet. Eine Person zählt die senkrechten Höhenwechsel, eine andere zählt nur die einzelnen Trittflächen der Treppe und lässt die obere Etage außen vor. Bei einem Zwischenpodest kommt noch eine Fläche hinzu, die zwar betreten wird, aber keine zusätzliche Steigung darstellt. Wenn es um eine Skizze, ein Angebot oder eine bauliche Berechnung geht, sollte deshalb ausdrücklich geklärt sein, ob von Steigungen oder von Trittstufen die Rede ist.
Für die Planung ist nicht allein die Anzahl entscheidend. Eine bequeme Treppe entsteht aus dem Verhältnis von Steigung und Auftritt. Als verbreitete Orientierung dient die Schrittmaßregel: Zwei Steigungen plus ein Auftritt ergeben ungefähr eine normale Schrittlänge. Häufig wird dafür ein Bereich von etwa 59 bis 65 Zentimetern angesetzt. Bei 17,5 Zentimetern Steigung ergibt sich damit ein Auftritt von ungefähr 24 bis 30 Zentimetern. In der Praxis spielen auch Nutzung, verfügbare Fläche und geltende Anforderungen eine Rolle; die Faustregel ersetzt keine Prüfung der konkreten Planung.
Was eine Treppe angenehm oder mühsam macht
Wer eine Treppe nur nach der Stufenzahl beurteilt, übersieht leicht das Verhältnis der Maße. Eine kurze, steile Treppe kann im Grundriss Platz sparen, kostet beim täglichen Gebrauch aber Kraft. Eine flachere Treppe läuft sich meist ruhiger, braucht dafür mehr Länge. Besonders deutlich wird das beim Tragen von Wäschekörben, Einkäufen oder einem sperrigen Möbelstück. Dann zählen neben der Steigung auch die Breite, die Kopfhöhe und die Frage, ob man an einem Podest sicher wenden kann.
Auch der Verlauf verändert den Eindruck. Eine gerade Treppe mit 16 Steigungen fühlt sich anders an als zwei Läufe mit je acht Steigungen und einem Zwischenpodest. Die Höhe bleibt gleich, doch das Podest unterbricht den Bewegungsablauf und schafft eine kurze Pause. Bei gewendelten Treppen werden die Stufen im Kurvenbereich schmaler. Dort sollte man nicht nur die breite Außenkante betrachten: Entscheidend ist, wie viel Platz im üblichen Gehbereich zur Verfügung steht. Auf sehr schmalen inneren Stufenteilen setzt man den Fuß kaum sicher auf.
In Häusern mit Kindern, älteren Bewohnern oder eingeschränkter Beweglichkeit lohnt sich ein genauer Blick auf die späteren Nutzer. Eine Steigung, die für einen Erwachsenen beim Besichtigen noch bequem wirkt, kann für ein Kind hoch und für jemanden mit Knieproblemen mühsam sein. Ein Handlauf, ausreichende Beleuchtung und gleichmäßige Maße sind dann keine nebensächlichen Details. Ich achte bei Treppen besonders darauf, ob sich die Stufen beim Hinuntergehen gut einschätzen lassen: wechselnde Schatten oder schlecht erkennbare Kanten können den sicheren Tritt erschweren.
Beispiele aus typischen Wohnsituationen
Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit 2,80 Metern zwischen den fertigen Fußböden. Bei 16 Steigungen beträgt jede Steigung 17,5 Zentimeter. Das ist ein plausibler Ausgangspunkt für eine Wohnhaustreppe. Wie viele Auftritte und wie viel Lauflänge daraus entstehen, hängt von der Treppenform und dem gewählten Auftritt ab. Bei einem Auftritt von 27 Zentimetern braucht ein gerader Lauf mit 15 einzelnen Trittflächen bereits gut vier Meter, ohne Podest und Antrittsbereich. Diese überschlägige Länge zeigt, warum eine Treppe nicht erst am Ende der Grundrissplanung „irgendwo hineingesetzt“ werden sollte.
In einem Altbau mit 3,20 Metern Geschosshöhe würde dieselbe Steigung von 17,5 Zentimetern zu gut 18 Steigungen führen. Eine saubere Planung könnte beispielsweise 19 Steigungen mit jeweils knapp 16,9 Zentimetern vorsehen. Dadurch wächst die Zahl, während die einzelne Stufe niedriger wird. Ob der Lauf dann in den vorhandenen Raum passt, muss separat geprüft werden. Eine Dachgeschosstreppe kann wiederum wegen der begrenzten Fläche steiler ausfallen; dort sind die zulässigen Maße und die vorgesehene Nutzung besonders sorgfältig zu prüfen.
Bei Umbau und Neubau nicht nur überschlagen
Für eine grobe Kostenschätzung oder die erste Orientierung genügt die Rechnung mit Geschosshöhe und angenommener Steigung. Sobald eine Treppe gebaut, verändert oder genehmigungsrelevant geplant wird, reicht sie nicht. Dann müssen unter anderem die tatsächliche Rohbauöffnung, Deckenstärke, fertigen Bodenaufbauten, Laufbreite, Kopfhöhe und Treppenform berücksichtigt werden. Auch die geltenden Vorschriften hängen vom Gebäudetyp und der Nutzung ab. Die DIN 18065 enthält Anforderungen und Begriffe für Gebäudetreppen; welche Regel im Einzelfall maßgeblich ist, sollte eine fachkundige Planerin oder ein Fachbetrieb beurteilen.
Bei Bestandsgebäuden messe ich nicht nur einmal an einer bequemen Stelle. Alte Böden sind manchmal uneben, und unterschiedliche Beläge verändern die fertige Höhe. Wird eine Treppe erneuert, kann schon ein dickerer Bodenbelag oben oder unten die erste beziehungsweise letzte Steigung verändern. Genau dort fällt eine Abweichung besonders auf, weil der Körper beim Gehen einen gleichmäßigen Rhythmus erwartet. Vor dem Bau sollte daher feststehen, welche Bodenaufbauten tatsächlich vorgesehen sind.
Eine brauchbare Antwort auf die Frage nach den Stufen
Für ein durchschnittliches Wohnhaus kann man mit etwa 15 bis 18 Steigungen pro Stockwerk rechnen. Bei einer Geschosshöhe um 2,80 Meter sind 16 Steigungen ein häufiges Beispiel. Die Zahl ist jedoch erst dann belastbar, wenn die fertige Höhe zwischen den Geschossen gemessen und die gewünschte Steigung festgelegt wurde. Wer Trittflächen zählt statt Höhenwechsel, kommt möglicherweise auf eine Stufe weniger – besonders dann, wenn der obere Fußboden als letzte Trittfläche mitgezählt wird.
Eine gute Treppe verrät ihre Maße nicht unbedingt auf den ersten Blick. Man merkt sie eher daran, dass der Schritt von unten bis oben gleichmäßig bleibt und man beim Hinuntergehen nicht nach jeder Kante suchen muss. Wenn Sie eine Treppe planen, beginnen Sie deshalb mit der Höhe, nicht mit einer vermeintlich passenden Standardzahl. Aus dieser Messung lässt sich eine sinnvolle Stufenzahl entwickeln; ob daraus auch eine Treppe wird, die im Alltag wirklich angenehm ist, entscheidet sich an den Details.
Bild: / Vecteezy
Schöne Räume brauchen nicht unbedingt teure Möbel, sondern vor allem ein gutes Gespür für Details. Die größte Freude bereiten kleine Veränderungen mit überraschend großer Wirkung. Inspiration gibt es überall – manchmal sogar beim Umstellen einer einzigen Lampe.
